21.05.2003
Beratungsmarkt Schweiz
Entwicklung Beratungsmarkt Schweiz
Das Schweizer Marktvolumen entwickelte sich 2002 stark rückläufig; auch das laufende Jahr dürfte düster ausfallen. Das Positive an der Entwicklung ist eine Professionalisierung der Branche. Im vergangenen Jahr schrumpfte das Schweizer Marktvolumen um 17% auf rund 1 Mrd. Fr., und auch im laufenden Jahr wird ein weiterer Rückgang von 5% bis 10% erwartet. 2001 wurde immerhin noch ein 3%iges Wachstum ausgewiesen. Zu diesen Feststellungen gelangt der Schweizer Branchenverband Asco, der das Marktgeschehen schon seit einiger Zeit verfolgt und am 20. Mai 2003 in einer Pressekonferenz über die jüngsten Entwicklungen berichtete.
Die grössten Beratungsfirmen in der Schweiz
Mit einem Honorarumsatz 2002 von je über 56 Mio. Fr. stehen die Firmen Accenture, IBM, McKinsey und The Boston Consulting Group volumenmässig an der Spitze eines äusserst fragmentierten Marktes. Im Bereich von 21 bis 55 Mio. Fr. folgen Arthur D. Little, Bain, BearingPoint, Deloitte Consulting und Roland Berger.
Gesunkene Tagesansätze
Wie der Verantwortliche für die Marktstudie, André Wohlgemuth, ausführte, sind grössere Beratungsfirmen von einem überproportionalen Einbruch betroffen, während die kleineren Branchenvertreter oftmals weniger zu leiden haben. Dies geht einher mit der Tatsache, dass das Verlangen nach erfahrenen Beratern zunehmend dominiert. Unverkennbar ist ausserdem der wegen der Überkapazität starke Druck auf die Preise im klassischen Unternehmensberatungsgeschäft (in der Studie wurden verwandte Bereiche wie Personalberatung oder IT-Implementierung ausgeklammert). Heute dürfte ein Berater pro Tag im Durchschnitt und je nach Qualifikation zwischen 2000 Fr. und 5000 Fr. in Rechnung stellen, wie der Verbandspräsident, Leonhard Fopp, schätzt. Früher hätte man bis doppelt so viel verlangt. An Beliebtheit gewonnen haben aber auch pauschale Abgeltungen oder erfolgsabhängige Entlöhnungen, wobei sich die Messbarkeit oftmals als Knacknuss entpuppt.
Zufriedene Kundschaft
Die im Rahmen der Studie befragten 55 CEO der grössten Schweizer Unternehmensberatungen stellen ausserdem eine Professionalisierung des Marktes fest. So werden die Beratungsleistungen gezielter eingekauft. Zudem werden die Projekte resp. Beratungsleistungen mehr beaufsichtigt und haben meist eine intensive Vorlaufphase, so dass unrealistische Erwartungen von Anfang an vermieden werden. Die meisten Unternehmen sind mit der Leistung der Berater zufrieden, wie eine parallel durchgeführte Kundenumfrage belegt. Im Gegensatz zu früher, als starke analytische Eigenschaften im Vordergrund standen, soll der Consultant von heute Problemlösungswissen und Projektmanagementerfahrung mitbringen: Pragmatische Coachs sind gefragt, die nicht nur Konzepte liefern, sondern praktische Lösungen eines bestimmten Problems anbieten und implementieren.
Quelle: vgl. NZZ 21. Mai 2003
