24.01.2004
Umstellungsbedarf auf IAS
Im Zuge fortwährender Bilanzskandale erhält die in der Schweiz geplante Änderung der Vorschriften an die börsenkotierten Unternehmen einen grossen Stellenwert: Mit dem Entscheid der Schweizer Börse SWX, ab 2005 die Rechnungslegung nach IAS als Mindeststandard für am Hauptsegment kotierte Gesellschaften zu erklären, dürfte bei einigen Unternehmen, die noch nach Swiss GAAP FER oder andern Richtlinien ihren Abschluss erstellen, Handlungsbedarf entstehen.
Wie die KPMG in ihrer Zeitschrift "Clarity" (Ausgabe Winter 2004) schreibt, sind die International Financial Reporting Standards (IFRS) die globalen Rechnungslegungsnormen der Zukunft. Sie legen fest, nach welchen Grundsätzen ein Unternehmen seine Jahresrechnung zu präsentieren und zu kommunizieren hat. In Europa, Australien, Russland und anderen Ländern sollen börsenkotierte Unternehmen ab 2005 nur noch IFRS anwenden. Die Schweizer Börse hat die hiesigen Standards (Swiss GAAP FER) aus dem Hauptsegment verbannt und lässt ab 2005 nur noch IFRS oder den amerikanischen Standard US GAAP (US Generally Accepted Accounting Principles) zu.
Der International Accounting Standards Board (IASB) verfolgt zurzeit drei Hauptziele:
- Schaffung einer "Plattform" von hochwertigen Standards bis 2005, damit die IFRS in allen Ländern, die diese Standards übernehmen, zu einer einheitlichen und hochwertigen Rechnungslegung führen
- Harmonisierung IFRS mit US GAAP, um eine bessere Vergleichbarkeit der Systeme zu erreichen
- Schaffung eines Standards für kleinere und mittlere, nicht börsennotierte Unternehmen
Bezüglich der Harmonisierung mit US GAAP hat der IASB mit den amerikanischen Kollegen eine Vereinbarung getroffen, die beide Parteien verpflichtet, ihre Standards zu durchleuchten und sich bei unterschiedlichen Normen auf die bessere Lösung zu einigen. Dieses "Convergence Project" wird zu einer Vielzahl von Revisionen bestehender Standards führen.
Der International Accounting Standards Board hat bereits seinen ersten Standard, lFRS 1, verabschiedet, der den zahlreichen betroffenen Unternehmen angesichts des hohen Zeitdrucks helfen soll, mittels einiger Ausnahmeregelungen auf pragmatische und doch qualitativ genügende Weise ihre Rechnungslegung auf IFRS umzustellen.
Mit der Schaffung eines Regelwerks für kleinere und mittlere Unternehmen unterstreicht der IASB schliesslich seine Absicht, auch nicht kotierte Unternehmen für IFRS zu gewinnen und damit deren Übernahme in nationale Gesetzgebungen mittelfristig zu fordern. Ziel ist es, einen vereinfachten Standard zu schaffen, der grundsätzlich dieselben Erfassungs- und Bewertungskriterien verwendet, aber tendenziell weniger beziehungsweise andere Darstellungs- und Offenlegungsnormen enthält.
