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19.05.2008

Sarbanes-Oxley als Erfolgsfaktor

Wie die Neue Zürcher Zeitung in ihrer Ausgabe vom 19. Mai 2008 schreibt, gehört es schon fast zu den Gemeinplätzen in der Finanzwelt: Seit 2002 die Sarbanes-Oxley-Gesetzgebung in den USA eingeführt wurde, haben viele ausländische Firmen den US-Börsen den Rücken gekehrt und stattdessen Zuflucht in London gesucht. Nach der gängigen Meinung bürdet Sarbanes Oxley den Unternehmen so hohe Kosten auf (vor allem im Bereich des Accounting, um Bilanzmanipulationen zu verhindern), dass sich für Auslandsfirmen eine Zweitkotierung in den USA kaum mehr lohnt. Dabei wurde früher eine zusätzliche Kotierung an einer US-Börse in vielerlei Hinsicht als Vorteil gesehen. Für Anleger war eine Zweitkotierung oft ein positives Signal, weil sich eine Firma damit den strengen Corporate-Governance-Richtlinien der USA unterwarf. Studien zeigen denn auch, dass die Anleger Firmen mit einem «cross-listing» in den USA mit einer Prämie bewerteten.

Ist dieser Vorteil durch Sarbanes Oxley deutlich kleiner geworden? Eine Studie des renommierten Finance-Professors René Stulz (Ohio University) mit Koautoren tritt dieser Meinung entschieden entgegen. Die Autoren zeigen, dass zwar die Zahl der Auslandskotierungen nach dem Börseneinbruch von 2001/02 weltweit stark abgenommen hat. Doch laut der Analyse haben die US-Börsen ihren Marktanteil bei den weltweiten Zweitkotierungen im Grossen und Ganzen halten können: Im Jahr 1998 hatte er bei 28% gelegen (NYSE und Nasdaq), 2005 belief er sich auf 26%. Die Autoren machen auch deutlich, dass die «Governance-Prämie» einer Zweitkotierung in den USA seit der Einführung von Sarbanes Oxley nicht verschwunden ist. Im Gegenteil: Für Anleger hat es netto offenbar nach wie vor Vorteile, wenn sich eine Firma den amerikanischen Corporate-Governance-Regeln unterwirft.

Woher kommt also die populäre Sicht, dass die US-Börsen gegenüber dem Londoner Finanzplatz verloren haben? Die Autoren zeigen, dass es am regulären «Main Market» der London Stock Exchange nicht liegen kann, denn dieser hat den Marktanteil zwischen 1998 und 2005 nicht steigern können. Doch es gibt eine einfache Erklärung: Einen spektakulären Aufschwung erlebte vor allem der Londoner Alternative Investment Market (AIM), der praktisch keine regulatorischen Anforderungen an die kotierten Firmen stellt. Laut der Studie haben sich am AIM aber vor allem kleine Unternehmen kotieren lassen, für die ein Listing in den USA ohnehin nicht in Frage gekommen wäre. Der Teilerfolg Londons spricht also nicht gegen die US-Börsen; Sarbanes-Oxley wird diesbezüglich wohl zu Unrecht verteufelt.

 



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